Ksenitia tou Erota
„Das fremde Land der Liebe“ heisst dieses wunderschöne Lied, das wir durch den zypriotischen Frauenchor „Amalgamation Choir“ kennen und lieben gelernt haben. Komponist ist der zypriotische Musiker Giorgos Kalogirou aus Nikosia.
Über den Kykkos Bergen fällt der Nebel tief. Ein Adler sucht Wasser zum Trinken.
Er findet eine einsame Kiefer, verwittert durch die Zeit. Ihre Wurzeln dürsten nach kühlem Quellwasser. Auf einem tiefen Ast landet der Adler und fragt: „Wer besitzt die Quelle und erlaubt dir nicht vom Wasser zu trinken?“ Die Kiefer antwortet: „Es ist die Quelle der Liebe, die darauf wartet, dass das wunderschöne Mädchen aus den fernen Ländern zurückkehrt und den jungen Mann wiederfindet, der es nicht mehr aushält, dass sie in der Ferne weilt. Damit sie beide wieder gemeinsam aus der Quelle trinken und die Berge dadurch wieder erblühen lassen.
Lamma bada yatathanna
Zwischen 711 und 1492 stand ein Grossteil der iberischen Halbinsel unter muslimi-scher Herrschaft. Unter der Herrschaft des Kalifen Ab ar-Rahman III. entwickelte sich Córdoba zu einem der bedeutendsten Zentren der islamischen Welt. Bereits 961 galt Córdoba als bevölkerungsreichste und wohlhabendste Stadt Europas. Das Lied „Lamma bada yatathanna“ entstand vermutlich in der Zeit des Kalifats von Córdoba (929-1031) oder spätestens während des Emirats von Granada (1238-1492). Heute ist es eines der populärsten arabischen Lieder des Genres „Muwaschschah“ (einer arabisch-andalusischen Gedichtform für Lob- und Liebeslieder). Dem Genre entsprechend handelt der Text von den „Liebesqualen“ eines Mannes, der einer vorbeigehenden Frau hinterherschaut. Gesungen wir das Lied im 10/8-Takt.
Als sie sich wiegte, meine Liebe,
uns mit ihrer Schönheit bezauberte.
Ein Moment, ein Augenblick, hielt uns gefangen,
als sie sich wiegte wie ein Halm.
Mein Versprechen und meine Verwirrung.
Wer könnte meine Klagen hören,
meine Qualen des Liebesfeuers lindern,
ausser jener Inbegriff der Schönheit.
Oh Gnade, oh Barmherzigkeit.
Si verias a la rana
„Wenn du den Frosch sähest“ ist ein satirisches Lied, das in der sephardischen Diaspora der Türkei entstanden ist. In den Sprachen „Ladino“ (jüdisch-spanisch) und Türkisch wird über Frösche, Kamele und die Liebe gesungen. Typisch für die Türkei ist der beschwingte Rhythmus im 9/8-Takt. Melodisch ist das Lied in der Klangwelt der sephardischen Juden daheim.
Die sephardische Identität bildete sich besonders im Mittelalter während der arabischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel heraus, als jüdische Gemeinden in Städten wie Córdoba, Toledo und Granada kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Blütezeiten erlebten. Mit der Reconquista und dem Edikt der katholischen Könige in Spanien (1492) und in Portugal (1496) wurden die Juden gezwungen, zum Christentum zu konvertieren oder das Land zu verlassen. Die meisten Sephardim flohen ins Osmanische Reich oder nach Nordafrika (Maghreb).
Esta montanya d’enfrente
Auf Ladino beschreibt dieses sephardische Lied den Schmerz verlorener Liebe und die Isolation, die entstehen kann, wenn man seine Gefühle nicht mit anderen teilen kann. Die Metapher des brennenden Berges und des Jasminbaumes, an dem sich jemand anderes erfreut, steht für den Schmerz, wenn man zusehen muss, wie etwas Schönes oder Wichtiges einem entgleitet.
Dieser Berg vor mir
ist erleuchtet und brennt,
dort habe ich meine Liebe verloren,
ich sitze und weine.
Ein kleiner Jasminbaum,
den ich in meinem Garten gepflanzt habe,
ich habe ihn gepflegt und gehegt,
während andere sich daran erfreuen,
Geheimnisse, die es zu entdecken gilt,
Geheimnisse meines Lebens,
ich möchte den Himmel als Papier,
ich möchte das Meer als Tinte.
Die Bäume sind Federn,
um meine Sorgen zu schreiben,
niemand kennt meinen Schmerz,
weder Fremde noch Verwandte.
To Margoudi ki a Alexandris
Dieses Volkslied aus der Bergregion Thrace (Griechenland) handelt von der verbotenen Liebe zwischen einem verheirateten Mann und der Schwester seiner Ehefrau. Den drängenden/treibenden Charakter verdankt dieses Lied dem traditionellen Rhythmus im 7/8-Takt.
Margoudi und Alexandris treffen sich heimlich im Hinterhof. Die Nachbarschaft hat es gesehen und tratscht. Die Mutter hat es gesehen und murrt: „Ich habe dich ermahnt nicht rauszugehen, Margoudi, heimlich in den Hinterhof.“ – „Wenn du möchtest, Mutter, schlage mich. Doch ich werde weiterhin in den Hinterhof gehen, um Alexandris zu sehen.“
Ti trihas to gefyri
Oh Brücke, oh Brücke
Daphne, mein Fluss
auf der Triha-Brücke
Oh Daphne, duftend
tausend Handwerker waren am Werk,
Komm, mein Daphne-Fluss
und zehntausend Lehrlinge,
Oh, meine Daphne, mein Duft.
Sie arbeiten den ganzen Tag,
komm Daphne,
sie würden in der Nacht zusammenbrechen,
Oh Daphne.
Hey Vorarbeiter, was kannst du mir geben?
Sag mir, mein Daphne-Fluss,
um deine Brücke stark zu machen?
Oh Daphne, duftend
wenn ich dir meinen Vater gebe,
Sag mir, mein Daphne-Fluss
Ich habe keinen anderen Vater
Ob meine Daphne, mein Duft.
Hey Vorarbeiter, was kannst du mir geben?
Sag mir, mein Daphne-Fluss,
um deine Brücke stark zu machen?
Wenn ich dir meine Mutter gebe,
Sag mir, mein Daphne-Fluss
Ich habe keine andere Mutter.
Oh, meine Daphne, mein Duft
Was kannst du mir geben, Meister?
Sag mir, mein Daphne-Fluss
um die Brücke zu halten?
Ich werde dir meine Brüder geben.
Sag mir, mein Daphne-Fluss
Ich werde keine anderen Brüder haben.
Oh, meine Daphne, mein Duft
Was kannst du mir geben, mein Vorarbeiter?
Sag mir, mein Daphne-Fluss,
um die Brücke stark zu machen?
Daphne, mein Duftender
Ich schenke dir meine schöne Frau.
Hejamoli
Lass uns einige Worte wechseln.
Du, Rose, mein Herz gehört dir.
Deinetwegen habe ich Mutter und Vater verlassen,
Deinetwegen habe ich Mutter und Vater verlassen,
ich wollte unbedingt dein sein.
Das Herz aller Menschen schlägt für die Liebe,
Das Herz aller Menschen schlägt für die Liebe,
aber dein Herz hat sich durch meine Liebe nicht berühren lassen.
Arkhoto
Dieses kraftvolle Lied stammt aus Georgien. Die georgische Musik ist bekannt für ihre reiche Polyphonie, die als eine der ältesten der Welt gilt. Sie umfasst drei Stimmlagen: die Melodie (mshoblis k’ekhili), die Basslinie (bani) und die kontrapunktische Stimme (damk’ekhili). Die Melodie wird in der Regel von einer Einzelperson oder einer kleinen Gruppe von Sängern gesungen, während die anderen Stimmen vom Rest des Chores übernommen werden. Das Ergebnis ist eine reiche harmonische Textur, die einen tiefen emotionalen Ausdruck erzeugt. Die UNESCO hat die georgische traditionelle Vokalpolyphonie 2001 zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit erklärt.
Arkhoto Heimat,
Wohnstätte von Steinböcken und Adlern,
Möge dein Feind es tragen.
Möge auch ich an deiner Brust liegen –
Um die Frau eines guten Mannes zu sein.
Freue dich nicht, Frau.
Er wird in der Armee sterben.
Du wirst ganz allein zurückbleiben –
Wenn ein tapferer Mann stirbt.
Oh, gütiger Mensch von Arxot,
Rette die Mutter dessen,
Der sich dort opferte.
Ich werde dir einen Palast bauen,
Rette die Mutter dessen,
Der sich dort opferte.
Ich werde dir einen Palast bauen,
Ganz aus Marmor,
Ich werde Teppiche für dich ausbreiten,
Damit deine Füße niemals den Boden berühren.
Oh, Wohnstätte des Bergadlers.
Damit deine Füße niemals den Boden berühren.
Oh, Wohnstätte des Bergadlers.
Tsintskaro
Ich kam durch Tsintskaro, Tsintskaro...
Dort begegnete mir eine schöne Frau.
Sie trug einen Kessel auf der Schulter,
ich sprach ein Wort, und sie nahm Anstoß daran.
Sie geriet in Wut und trat beiseite!
Ha Leyli
Das Lied „Haleili” der iranischen Sängerinnen Mahsa Vahdat & Marjan Vahdat ist ein poetischer Ausdruck der persischen Sufi-Tradition. Der erste Abschnitt des Liedes symbolisiert den Wunsch der Sängerin, in der Gesellschaft von Gleichgesinnten zu sein, die nach einem tieferen Sinn im Leben suchen. Er deutet darauf hin, dass die Sängerin nach der Wahrheit sucht, die nur durch eine lange und schwierige Reise gefunden werden kann. Der Rest des Liedes dreht sich um die Geschichte von Majnun und Layla, zwei Liebenden aus einem persischen Mythos. Der Liedtext spielt auf die intensive Liebe, die Sehnsucht und die Schönheit der Geliebten an. Das Lied endet mit der mehrmaligen Aufforderung, sich dem Vertrauten der Geheimnisse (Gott?) anzuvertrauen.
Aller Lobpreis sei Gott, dass die Taverne geöffnet ist,
Denn seit dem Tag habe ich mich nach ihrer Tür gesehnt.
Wahrheit, nicht Konvention, wird in der Taverne gezeigt,
Denn diese Geschichte ist lang:
Die Last von Majnuns Herz und die Locken von Laylas Haar,
Ha, Layla, Layla, Layla, Layla,
Das Antlitz von Mahmud und die Fußsohle von Iaz.
Die Wahrheit ist nicht erlaubt; sie wird nur in der Taverne offenbart.
Ein Geheimnis, das wir anderen nicht erzählt haben und nicht erzählen werden,
Lasst es uns dem Freund erzählen, denn er ist der Vertraute der Geheimnisse.
Mer Tagvor
„Mein König“ heisst dieses traditionelle Hochzeitslied aus Armenien, das an den Bräutigam gerichtet ist. Die Braut beschreibt darin, was sie als Ehefrau für ihren Mann sein möchte und fragt ihn, was er für sie sein werde. Die lyrischen Passagen der Braut werden ergänzt durch wiederholtes Anfeuern durch den Chor. Kennengelernt haben wir dieses Lied durch das armenische Vokaltrio „Tiezerk“.
Es kisher
„Die Nacht“ heisst dieses poetische Liebeslied aus Armenien. Der Liedtext stammt aus der Feder des armenischen Priesters, Komponisten und Musikers Komitas Vardapet, der heute als Begründer der modernen klassischen armenischen Musik gilt. Wir singen das zauberhafte Lied im Arrangement des Vokaltrios „Zulal“.
Diese Nacht, diese Herbstnacht
Tau ist gefallen und schmückt den Boden
Bunte Vögel vom Arnos-Berg
Schlafen, wie meine Liebe schläft.
Ich werde meinem Schatz einen Umhang nähen,
Den Stoff von der Sonne nehmen
Das Futter vom Mond machen
Die Knöpfe von den Sternen pflücken
Was nützt einem Kamel ein Hufeisen?
Was nützt einer Schönheit ein Muttermal?
Wenn man von Herzen liebt, wozu nützen dann alle
Reichtümer der Welt?
Du holst Wasser, Arekko
Du verbrennst mein Herz mit einer Flamme
Ich werde meinen Arm zu einer Brücke machen,
um Dich zu unserem Zuhause zu tragen
Sari gelin
Das berühmte Volkslied „Die blonde Braut“ handelt von einer unmöglichen, weil verbotenen Liebe. Das Lied ist von grosser symbolischer Kraft und in vielen Ländern verbreitet (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Iran, Türkei). Derzeit besteht kein Konsens über das Herkunftsland. Das Lied ist Gegenstand von Auseinandersetzungen und Plagiatsvorwürfen in den Ländern, in denen es beliebt ist.
In Aserbaidschan, woher unsere Version stammt, ist "Sari gelin" eine Legende, welche die Liebe zwischen einem muslimischen Aserbaidschaner und einem christlichen Kipchak-Mädchen symbolisiert, die voneinander fern gehalten werden. "Seni mene vermezler" (sie werden dich mir nicht geben) bezieht sich auf diese Legende. Wir singen das Lied im Arrangement der Vokalgruppe „Qaya“ aus Aserbaidschan.
Sie werden dir nicht die Haare flechten,
sie werden keine feuchte Rose pflücken, blonde Braut.
Was für eine Liebe ist das?
Sie werden dich mir nicht geben.
Sie werden dich mir nicht geben.
Was soll ich tun?
Hilfe! Bitte! Blonde Braut.
Solange dieses Tal lang ist,
Hirte, gib/bring dein Lamm zurück.
Möge ich leben, um das Gesicht meiner süssen Lieben zu sehen.
Was soll ich tun?
Hilfe! Bitte! Blonde Braut.
Aslanuri Mravalzamieri
„Mravalshamier“ bedeutet ursprünglich: „(auf) lange Zeit!“ Zu jeder „Supra“ (Festessen) und auf jedem Fest wird „Mravalshamier“ als erstes Lied gesungen. Früher wurde es zur Begrüssung des Königs und vor Kampfhandlungen intoniert, um damit den Feind zu erschrecken. Durch seinen energievollen Charakter ist es ein typisches Männerlied. Heute singen es auch Frauen und setzen dabei den tiefen kraftvollen Bereich ihrer Stimme (Bruststimme) ein.


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