Samstag, 21. Februar 2026

Grüsse aus dem Orient - Konzertprogramm

Mit Gesang & Rahmentrommeln taucht das Vokalensemble "Les Vagabondes" in die Klangwelt Vorderasiens ein. Auf Kurdisch, Sephardisch, Arabisch und Griechisch erklingen traditionelle Gesänge, die in mehreren Ländern beheimatet sind. Zu hören sind zudem feurige und sehnsuchtsvolle Lieder aus Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Iran, Türkei und Zypern. Herzlich willkommen zu diesem Abend der ungeraden Rhythmen!



Ksenitia tou Erota


„Das fremde Land der Liebe“ heisst dieses wunderschöne Lied, das wir durch den zypriotischen Frauenchor „Amalgamation Choir“ kennen und lieben gelernt haben. Komponist ist der zypriotische Musiker Giorgos Kalogirou aus Nikosia.


Über den Kykkos Bergen fällt der Nebel tief. 
Ein Adler sucht Wasser zum Trinken. 
Er findet eine einsame Kiefer, verwittert durch die Zeit. Ihre Wurzeln dürsten nach kühlem Quellwasser. Auf einem tiefen Ast landet der Adler und fragt: „Wer besitzt die Quelle und erlaubt dir nicht vom Wasser zu trinken?“ Die Kiefer antwortet: „Es ist die Quelle der Liebe, die darauf wartet, dass das wunderschöne Mädchen aus den fernen Ländern zurückkehrt und den jungen Mann wiederfindet, der es nicht mehr aushält, dass sie in der Ferne weilt. Damit sie beide wieder gemeinsam aus der Quelle trinken und die Berge dadurch wieder erblühen lassen.






Lamma bada yatathanna


Zwischen 711 und 1492 stand ein Grossteil der iberischen Halbinsel unter muslimi-scher Herrschaft. Unter der Herrschaft des Kalifen Ab ar-Rahman III. entwickelte sich Córdoba zu einem der bedeutendsten Zentren der islamischen Welt. Bereits 961 galt Córdoba als bevölkerungsreichste und wohlhabendste Stadt Europas. Das Lied „Lamma bada yatathanna“ entstand vermutlich in der Zeit des Kalifats von Córdoba (929-1031) oder spätestens während des Emirats von Granada (1238-1492). Heute ist es eines der populärsten arabischen Lieder des Genres „Muwaschschah“ (einer arabisch-andalusischen Gedichtform für Lob- und Liebeslieder). Dem Genre entsprechend handelt der Text von den „Liebesqualen“ eines Mannes, der einer vorbeigehenden Frau hinterherschaut. Gesungen wir das Lied im 10/8-Takt.


Als sie sich wiegte, meine Liebe, 
uns mit ihrer Schönheit bezauberte. 
Ein Moment, ein Augenblick, hielt uns gefangen, 
als sie sich wiegte wie ein Halm. 
Mein Versprechen und meine Verwirrung. 
Wer könnte meine Klagen hören, 
meine Qualen des Liebesfeuers lindern, 
ausser jener Inbegriff der Schönheit. 
Oh Gnade, oh Barmherzigkeit.






















Si verias a la rana


„Wenn du den Frosch sähest“ ist ein satirisches Lied, das in der sephardischen Diaspora der Türkei entstanden ist. In den Sprachen „Ladino“ (jüdisch-spanisch) und Türkisch wird über Frösche, Kamele und die Liebe gesungen. Typisch für die Türkei ist der beschwingte Rhythmus im 9/8-Takt. Melodisch ist das Lied in der Klangwelt der sephardischen Juden daheim.

Die sephardische Identität bildete sich besonders im Mittelalter während der arabischen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel heraus, als jüdische Gemeinden in Städten wie Córdoba, Toledo und Granada kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Blütezeiten erlebten. Mit der Reconquista und dem Edikt der katholischen Könige in Spanien (1492) und in Portugal (1496) wurden die Juden gezwungen, zum Christentum zu konvertieren oder das Land zu verlassen. Die meisten Sephardim flohen ins Osmanische Reich oder nach Nordafrika (Maghreb).






Esta montanya d’enfrente


Auf Ladino beschreibt dieses sephardische Lied den Schmerz verlorener Liebe und die Isolation, die entstehen kann, wenn man seine Gefühle nicht mit anderen teilen kann. Die Metapher des brennenden Berges und des Jasminbaumes, an dem sich jemand anderes erfreut, steht für den Schmerz, wenn man zusehen muss, wie etwas Schönes oder Wichtiges einem entgleitet.


Dieser Berg vor mir
ist erleuchtet und brennt,
dort habe ich meine Liebe verloren,
ich sitze und weine.

Ein kleiner Jasminbaum,
den ich in meinem Garten gepflanzt habe,
ich habe ihn gepflegt und gehegt,
während andere sich daran erfreuen,

Geheimnisse, die es zu entdecken gilt,
Geheimnisse meines Lebens,
ich möchte den Himmel als Papier,
ich möchte das Meer als Tinte.

Die Bäume sind Federn,
um meine Sorgen zu schreiben,
niemand kennt meinen Schmerz,
weder Fremde noch Verwandte.








To Margoudi ki a Alexandris


Dieses Volkslied aus der Bergregion Thrace (Griechenland) handelt von der verbotenen Liebe zwischen einem verheirateten Mann und der Schwester seiner Ehefrau. Den drängenden/treibenden Charakter verdankt dieses Lied dem traditionellen Rhythmus im 7/8-Takt. 


Margoudi und Alexandris treffen sich heimlich im Hinterhof. Die Nachbarschaft hat es gesehen und tratscht. Die Mutter hat es gesehen und murrt: „Ich habe dich ermahnt nicht rauszugehen, Margoudi, heimlich in den Hinterhof.“ – „Wenn du möchtest, Mutter, schlage mich. Doch ich werde weiterhin in den Hinterhof gehen, um Alexandris zu sehen.“







Ti trihas to gefyri


Das griechische Lied „Die Brücke der Haare“ stammt aus Vorderasien (heute: Türkei). Sie handelt von der Triha-Brücke, einer legendären Brücke in der Region Pontus, die dem Lied zufolge durch Menschenopfer errichtet wurde. Heute wird die Brücke nicht mehr benutzt. Sie ist als Denkmal erhalten und erinnert an die tragische Legende, wonach der Baumeister seine Frau und sein persönliches Glück opferte, um die Brücke für die Allgemeinheit zu reparieren. Wir singen das Lied „Die Brücke der Haare“ in einem Arrangement der zypriotischen Chorleiterin Vasiliki Anastasiou.


Oh Brücke, oh Brücke
Daphne, mein Fluss
auf der Triha-Brücke
Oh Daphne, duftend
tausend Handwerker waren am Werk,

Komm, mein Daphne-Fluss
und zehntausend Lehrlinge,
Oh, meine Daphne, mein Duft.

Sie arbeiten den ganzen Tag,
komm Daphne,
sie würden in der Nacht zusammenbrechen,
Oh Daphne.

Hey Vorarbeiter, was kannst du mir geben?
Sag mir, mein Daphne-Fluss,
um deine Brücke stark zu machen?

Oh Daphne, duftend
wenn ich dir meinen Vater gebe,
Sag mir, mein Daphne-Fluss
Ich habe keinen anderen Vater
Ob meine Daphne, mein Duft.

Hey Vorarbeiter, was kannst du mir geben?
Sag mir, mein Daphne-Fluss,
um deine Brücke stark zu machen?

Wenn ich dir meine Mutter gebe,
Sag mir, mein Daphne-Fluss
Ich habe keine andere Mutter.
Oh, meine Daphne, mein Duft

Was kannst du mir geben, Meister?
Sag mir, mein Daphne-Fluss
um die Brücke zu halten?

Ich werde dir meine Brüder geben.
Sag mir, mein Daphne-Fluss
Ich werde keine anderen Brüder haben.
Oh, meine Daphne, mein Duft

Was kannst du mir geben, mein Vorarbeiter?
Sag mir, mein Daphne-Fluss,
um die Brücke stark zu machen?

Daphne, mein Duftender
Ich schenke dir meine schöne Frau.







Hejamoli


Dieses traurige Liebeslied stammt aus Lazeti, einer historisch-kulturellen Region im äussersten Nordosten der Türkei. Die an der bergigen Schwarzmeerküste lebenden Lasen sind – im Gegensatz zu den Griechen, Armenier und Juden – in der Türkei nicht offiziell als Minderheit anerkannt. Ihre Sprache, Lazuri, bildet mit Georgisch, Swanisch und Mingrelisch die südkaukasische Sprachfamilie. Zum Türkisch besteht keinerlei sprachliche Verwandtschaft. Anders als die ihnen nah verwandten Mingrelen (Georgien), die dem Orthodoxen Glauben angehören, sind die lasischen Bergbewohner in der überwiegenden Mehrheit sunnitische Muslime. Ihre Geschichte führen die Lasen auf das antike Königreich Kolchis zurück, das sich ab etwa dem 6. Jahrhundert v. Chr. entlang der Schwarzmeerküste über Teile des heutigen Georgiens und der Nordost-Türkei erstreckte. Nach dem ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches wurde das Gebiet 1923 zwischen der Türkei und der damaligen Sowjetunion (Georgien) aufgeteilt.


Lass uns einige Worte wechseln. 
Du, Rose, mein Herz gehört dir.

Deinetwegen habe ich Mutter und Vater verlassen, 
ich wollte unbedingt dein sein.

Das Herz aller Menschen schlägt für die Liebe, 
aber dein Herz hat sich durch meine Liebe nicht berühren lassen.






Arkhoto


Dieses kraftvolle Lied stammt aus Georgien. Die georgische Musik ist bekannt für ihre reiche Polyphonie, die als eine der ältesten der Welt gilt. Sie umfasst drei Stimmlagen: die Melodie (mshoblis k’ekhili), die Basslinie (bani) und die kontrapunktische Stimme (damk’ekhili). Die Melodie wird in der Regel von einer Einzelperson oder einer kleinen Gruppe von Sängern gesungen, während die anderen Stimmen vom Rest des Chores übernommen werden. Das Ergebnis ist eine reiche harmonische Textur, die einen tiefen emotionalen Ausdruck erzeugt. Die UNESCO hat die georgische traditionelle Vokalpolyphonie 2001 zum Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit erklärt.


Arkhoto Heimat,
Wohnstätte von Steinböcken und Adlern,
Möge dein Feind es tragen.
Möge auch ich an deiner Brust liegen –
Um die Frau eines guten Mannes zu sein.

Freue dich nicht, Frau.
Er wird in der Armee sterben.
Du wirst ganz allein zurückbleiben –
Wenn ein tapferer Mann stirbt.

Oh, gütiger Mensch von Arxot,
Rette die Mutter dessen,
Der sich dort opferte.

Ich werde dir einen Palast bauen, 
Ganz aus Marmor,
Ich werde Teppiche für dich ausbreiten,
Damit deine Füße niemals den Boden berühren.
Oh, Wohnstätte des Bergadlers.







Tsintskaro


„Tsintskaro“ ist der Name eines Dorfes in der georgischen Region Kartli und heisst übersetzt „beim Quellwasser“. Das Liebeslied stammt jedoch aus Kachetien, einer Tiefebene in Ostgeorgien. Obwohl das Lied ausserhalb von Georgien kaum bekannt ist, wurde seine eindringliche Melodie von westlichen Künstler*innen verwendet, z.B. von Werner Herzog im Film „Nosferatu the Vampyre“ (1979) und Kate Bush im Lied „Hello Earth“ (1985).


Ich kam durch Tsintskaro, Tsintskaro...
Dort begegnete mir eine schöne Frau.
Sie trug einen Kessel auf der Schulter,
ich sprach ein Wort, und sie nahm Anstoß daran.
Sie geriet in Wut und trat beiseite!






Ha Leyli


Das Lied „Haleili” der iranischen Sängerinnen Mahsa Vahdat & Marjan Vahdat ist ein poetischer Ausdruck der persischen Sufi-Tradition. Der erste Abschnitt des Liedes symbolisiert den Wunsch der Sängerin, in der Gesellschaft von Gleichgesinnten zu sein, die nach einem tieferen Sinn im Leben suchen. Er deutet darauf hin, dass die Sängerin nach der Wahrheit sucht, die nur durch eine lange und schwierige Reise gefunden werden kann. Der Rest des Liedes dreht sich um die Geschichte von Majnun und Layla, zwei Liebenden aus einem persischen Mythos. Der Liedtext spielt auf die intensive Liebe, die Sehnsucht und die Schönheit der Geliebten an. Das Lied endet mit der mehrmaligen Aufforderung, sich dem Vertrauten der Geheimnisse (Gott?) anzuvertrauen.


Aller Lobpreis sei Gott, dass die Taverne geöffnet ist,
Denn seit dem Tag habe ich mich nach ihrer Tür gesehnt.
Wahrheit, nicht Konvention, wird in der Taverne gezeigt,
Denn diese Geschichte ist lang:

Die Last von Majnuns Herz und die Locken von Laylas Haar,
Ha, Layla, Layla, Layla, Layla,
Das Antlitz von Mahmud und die Fußsohle von Iaz.
Die Wahrheit ist nicht erlaubt; sie wird nur in der Taverne offenbart.

Ein Geheimnis, das wir anderen nicht erzählt haben und nicht erzählen werden,
Lasst es uns dem Freund erzählen, denn er ist der Vertraute der Geheimnisse.










Mer Tagvor


„Mein König“ heisst dieses traditionelle Hochzeitslied aus Armenien, das an den Bräutigam gerichtet ist. Die Braut beschreibt darin, was sie als Ehefrau für ihren Mann sein möchte und fragt ihn, was er für sie sein werde. Die lyrischen Passagen der Braut werden ergänzt durch wiederholtes Anfeuern durch den Chor. Kennengelernt haben wir dieses Lied durch das armenische Vokaltrio „Tiezerk“.






Es kisher


„Die Nacht“ heisst dieses poetische Liebeslied aus Armenien. Der Liedtext stammt aus der Feder des armenischen Priesters, Komponisten und Musikers Komitas Vardapet, der heute als Begründer der modernen klassischen armenischen Musik gilt. Wir singen das zauberhafte Lied im Arrangement des Vokaltrios „Zulal“.


Diese Nacht, diese Herbstnacht
Tau ist gefallen und schmückt den Boden
Bunte Vögel vom Arnos-Berg
Schlafen, wie meine Liebe schläft.

Ich werde meinem Schatz einen Umhang nähen,
Den Stoff von der Sonne nehmen
Das Futter vom Mond machen
Die Knöpfe von den Sternen pflücken


Was nützt einem Kamel ein Hufeisen?
Was nützt einer Schönheit ein Muttermal?
Wenn man von Herzen liebt, wozu nützen dann alle
Reichtümer der Welt?

Du holst Wasser, Arekko
Du verbrennst mein Herz mit einer Flamme
Ich werde meinen Arm zu einer Brücke machen,
um Dich zu unserem Zuhause zu tragen







Sari gelin


Das berühmte Volkslied „Die blonde Braut“ handelt von einer unmöglichen, weil verbotenen Liebe. Das Lied ist von grosser symbolischer Kraft und in vielen Ländern verbreitet (Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Iran, Türkei). Derzeit besteht kein Konsens über das Herkunftsland. Das Lied ist Gegenstand von Auseinandersetzungen und Plagiatsvorwürfen in den Ländern, in denen es beliebt ist.

In Aserbaidschan, woher unsere Version stammt, ist "Sari gelin" eine Legende, welche die Liebe zwischen einem muslimischen Aserbaidschaner und einem christlichen Kipchak-Mädchen symbolisiert, die voneinander fern gehalten werden. "Seni mene vermezler" (sie werden dich mir nicht geben) bezieht sich auf diese Legende. Wir singen das Lied im Arrangement der Vokalgruppe „Qaya“ aus Aserbaidschan.


Sie werden dir nicht die Haare flechten, 
sie werden keine feuchte Rose pflücken, blonde Braut. 

Was für eine Liebe ist das?
Sie werden dich mir nicht geben. 
Was soll ich tun? 
Hilfe! Bitte! Blonde Braut.

Solange dieses Tal lang ist,
Hirte, gib/bring dein Lamm zurück.
Möge ich leben, um das Gesicht meiner süssen Lieben zu sehen. 
Was soll ich tun?
Hilfe! Bitte! Blonde Braut. 








Aslanuri Mravalzamieri


„Mravalshamier“ bedeutet ursprünglich: „(auf) lange Zeit!“ Zu jeder „Supra“ (Festessen) und auf jedem Fest wird „Mravalshamier“ als erstes Lied gesungen. Früher wurde es zur Begrüssung des Königs und vor Kampfhandlungen intoniert, um damit den Feind zu erschrecken. Durch seinen energievollen Charakter ist es ein typisches Männerlied. Heute singen es auch Frauen und setzen dabei den tiefen kraftvollen Bereich ihrer Stimme (Bruststimme) ein.






Gaumardschoss!



Montag, 15. September 2025

Grüsse aus dem Norden:

Konzerte am 20./21. September 2025


Das Vokalensemble "Les Vagabondes" lädt ein zu einer musikalischen Reise durch den Norden Europas. Wir singen feurige und sehnsuchtsvolle Lieder aus Irland, Grossbritannien, Norwegen, Schweden und Finnland und erzählen vom Leben am Meer, von der wunderschönen Natur und von Frauenschicksalen vergangener Jahrhunderte. Herzlich willkommen!





Konzerte

Sa 20. September (20 Uhr) und So 21. September 2025 (18 Uhr)
Karthäuserkirche, Theodorskirchplatz 7, Basel (beim Waisenhaus)
Kollekte


Programm & Liedtexte

Hier zu lesen > Link



Mittwoch, 16. April 2025

Les Vagabondes: Konzerte im September 2025

Das Vokalensemble "Les Vagabondes" lädt ein zu einer musikalischen Reise durch den Norden Europas. 


Alle Details zu den Auftritten findest du auf der Postkarte weiter unten.
Das Programm und die Liedtexte findest du hier: Link



Samstag, 1. Februar 2025

Les Vagabondes: Grüsse aus dem Norden

Das Vokalensemble "Les Vagabondes" lädt ein zu einer musikalischen Reise durch den Norden Europas. Wir singen feurige und sehnsuchtsvolle Lieder aus Irland, Grossbritannien, Norwegen, Schweden und Finnland und erzählen vom Leben am Meer, von der wunderschönen Natur und von Frauen-schicksalen vergangener Jahrhunderte. Herzlich willkommen!




Arrane Oie Vie


Das Gute-Nacht-Lied „Arrane Oie Vie“ stammt von der britischen „Isle of Man“. Tradi-tionell wurde das Lied am Ende der Weihnachtsmesse gesungen, als musikalische Überleitung, bevor man sich auf den Weg nach Hause oder ins Pub machte. Heute erklingt „Arrane Oie Vie“ oft am Ende von Konzerten oder anderen Zusammenkünften, wenn es Zeit ist aufzubrechen und von den Freunden Abschied zu nehmen. Die kelti-sche Sprache „Manx“, in der das Lied gesungen wird, ist mit dem irischen und schotti-schen Gälisch verwandt. Die Sprache weist deutlich skandinavische Einflüsse auf. 
Wir singen das Gute-Nacht-Lied in der Version der amerikanischen Vokalgruppe „Navan“.


Zeit, nach Hause und ins Bett zu gehen,
Der Stuhl unter mir drängt mich, zu gehen.
Wir müssen uns beeilen.
Es wird Zeit, ins Bett zu gehen.

Die Dunkelheit ist gekommen, wir müssen nach Hause gehen;
Schwarz wird das warme Licht des Kamins;
Das ist unser Zeichen, zur Ruhe zu gehen.
Es ist fast an der Zeit, „Gute Nacht“ zu sagen.






Dean Younk a Gernow


In der Folge des Minen-Crashs im 18. Jahrhundert verliessen viele Männer Cornwall, um anderswo auf der Welt ihr Glück zu suchen. „Wo immer ein Loch im Boden ist, dort ist ein Mann aus Cornwall zu finden“, besagt eine in Cornwall verbreitete Redewendung. Doch was wurde aus den Frauen, die damals zurückblieben, fragten sich die Sängerinnen der kornischen Band „Dalla“. Im Lied „Der junge Mann aus Cornwall“ singen sie über die starken Frauen Cornwalls, die damals den Lebensalltag daheim weiterführten und ihre Familien ernähren mussten.

Musikalischer Ausgangspunkt des Liedes ist eine traditionelle Melodie aus Cornwall. Tony Snell steuerte einen Text in kornischer Sprache bei, Neil Davey komponierte eine zweite Stimme und die Sängerinnen von „Dalla“ übersetzten das Ganze auf Englisch. Ausgehend von dieser Komposition, welche die Musiker*innen von „Dalla“ uns netterweise zur Verfügung stellten, entwickelten wir eine Chorversion, die auch von der Interpretation der australischen Musikerinnen Kate Burke und Ruth Hazleton inspiriert wurde. Während wir die instrumentalen Zwischenspiele von Burke & Hazleton in Form eines „Diddling“ (Singen ohne Worte) umsetzen, singen wir den Rest des Liedes auf Englisch und Kornisch. Letzteres ist eine keltische Sprache, die mit dem Walisischen und Bretonischen eng verwandt ist.


Der junge Mann aus Cornwall ist verschwunden
So weit weg von unserem Land.
Und ich werde nicht gehen müssen, um ihm zu folgen
noch jemals weglaufen.

Ich erinnere mich an den Tag, als er wegsegelte
in einem Schiff so hoch, so gross,
Sein Kummer und seine Trauer waren nicht zu bändigen
Als er aus der Sicht unseres Landes segelte.

So hart die Steine und so hart der Boden,
Das ist alles, was wir je kannten.
Hart ist das Leben zu Hause und auf See:
Doch mein Herz wird sich als treu und wahr erweisen.

Gott sei mit dir, mein Lieber, denn er ist dein Schild
Auf dem Meer, wie auch auf dem Land,
Und wenn ich dich in diesem Leben nicht mehr sehe,
so sei Gott mit dir bis ans Ende der Welt.







Lon Doire an Chairn


„Die Amsel von Doire an Chairn“ ist ein altes gälisches Lied aus Irland. Ursprung des Liedtextes ist ein Laiengedicht aus dem 18. Jahrhundert, das in der Fiannaíocht-Tradition in Form des „dán díreach“ geschrieben wurde. Es kritisiert das von christlichen Priestern beherrschte Irland. Das Gedicht nutzt den Kontrast zwischen dem Leben im Freien und der heidnischen Religion der Fiánna und dem klösterlich-disziplinierten Christentum, das mit dem frühchristlichen Irland verbunden ist. Das Gedicht reflektiert über das Gefühl der Entfremdung von der Natur, das mit dem Christentum verbunden ist und beschreibt Szenen aus dem Leben der Fiannaíocht, die ein Irland voller Leben zeigen, in dem Mensch und Natur miteinander vereinbar sind. Wir singen das Lied in einer Version des Vokaltrios „Navan“.


Das ist süss, Amsel aus Doire an Chairn;
ich habe nirgendwo Musik gehört,
die süßer war als das Lied,
das du singst, während du nistest.

Die süsseste Musik der Welt,
traurig ist sie für jeden, der nicht still zuhört,
Sohn von Alpronn der melodiösen Glocken,
und traurig für dich, zu deinen Gebeten zurückzukehren.

Wenn du, wie ich,
die Geschichte des Vogels kennen würdest,
würdest du bittere Tränen vergießen und
deine Aufmerksamkeit nicht auf Gott richten.

In Norwegen der azurblauen Ströme
hat Mac Cumhaill der weingefüllten Becher
den Vogel erhalten, den wir jetzt sehen,
und das ist die Geschichte seines Ursprungs für dich.

Der Wald dort ist Doire an Chairn,
wo die Fiana Schutz suchte,
und dorthin wurde die Amsel
wegen der Schönheit und Anmut der Bäume gebracht.

Das Pfeifen der Amsel von Doire an Chaim,
das Blöken der Hirsche von Aill na gCaor
und das Rauschen der Enten von Loch na dTrí gCaol –
das war die Musik, zu der Finn bis zum frühen Morgen schlief.

Das Moorhuhn von Cruachain Chuinn,
der schrille Schrei der Otter von Druim Dá Loch,
der Schrei des Adlers von Gleann na bhFuath
und der Gesang des Kuckucks von Cnoc na Scoth.


Als Finn und Fiana noch lebten,
zogen sie den Berghang dem Kirchhof vor.
Der Gesang der Amsel war ihnen lieblich,
und der Klang der Kirchenglocken gefiel ihnen nicht.







The Old Man From Over the Sea


Im englischsprachigen Raum weitverbreiteten Spottlied „The Old Man From Over the Sea“ macht sich eine junge Frau über das Werben eines alten Mannes lustig. Dem heutigen Publikum bekannt wurde das Lied in der Version der englischen Revival-Sängerin Frankie Armstrong (1966) und der irischen Folk-Band „Lankum“ (2014). Auf Armstrongs Plattenumschlag war zu lesen: „Traditionell denken Eltern, die eine heiratsfähige Tochter haben, an materielle Vorteile, während sich die Gedanken des Mädchens um (sagen wir) geistige Dinge drehen. Aus dieser Situation entsteht eine Reihe von Liedern, die dem einfachen Volk nie langweilig werden. Dieses wurde schon zu Shakespeares Zeiten auf einem Balladenblatt gedruckt, und zweifellos war es damals nicht neu.“ Vielleicht ist es die Mischung aus zynischem Humor und scharfer Empörung, die den besonderen Reiz solcher Lieder ausmachten. Die „Handlung“ (z.B. in „Maids, When You're Young Never Wed an Old Man“) zielt auf Lacher ab, aber wenn man ein paar Sekunden darüber nachdenkt, bleibt einem angesichts von Zwangsheirat, Zwangssex und Tod das Lachen im Hals stecken.


Es kam ein alter Mann über das Meer
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Es kam ein alter Mann über das Meer
Er kam wehleidig und schnüffelnd zu mir herüber
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Der zitterte und zitterte

Meine Mutter sagte, ich solle ihn hereinbitten.
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Meine Mutter sagte mir, ich solle ihn hereinbitten
Und er kicherte und sabberte über sein Kinn
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Zitterte und zitterte

Meine Mutter sagte, ich solle ihm einen Schemel geben
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Meine Mutter sagte mir, ich solle ihm einen Hocker geben
Ich gab ihm einen Schemel und er saß wie ein Narr
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Zitternd und bebend

Meine Mutter sagte mir, ich solle ihm ein Stück Kuchen geben.
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Meine Mutter sagte mir, ich solle ihm Kuchen geben
Und der dumme alte Narr schlängelte sich wie eine Schlange
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Zitternd und schüttelnd

Meine Mutter sagte, ich solle ihm den Zucker reichen.
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Meine Mutter sagte mir, ich solle ihm den Zucker geben
Und er schüttelte und schaufelte ihn hinunter wie ein Kerl
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart

Er zitterte und zitterte

Meine Mutter sagte, ich solle ihn ins Bett bringen
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Meine Mutter sagte mir, ich solle ihn ins Bett bringen
Und der dumme alte Teufel stand fast auf seinem Kopf
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Zitternd und bebend

Meine Mutter sagte, ich solle ihm zeigen, was er tun soll.
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Meine Mutter sagte mir, ich solle ihm zeigen, was er tun soll
Aber der dumme alte Kabeljau konnte nicht lernen, wie man vögelt
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Zittert und zittert

Meine Mutter sagte mir, ich solle ihm Lebewohl sagen
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Meine Mutter sagte mir, ich solle ihm Lebewohl sagen
Nun, ich nahm Abschied von ihm und wünschte ihn in die Hölle
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Zitternd und bebend

Es kam ein alter Mann über das Meer
Ja, aber ich will ihn nicht haben
Es war einmal ein alter Mann, der kam über das Meer
Kam wehleidig, schnüffelnd, zu mir herüber
Mit seinem langen grauen Bart, mit seinem langen grauen Bart
Er zitterte und bebte







Da hömin


Die Melodie des Wiegenliedes "Da hömin" (zu Deutsch: Abenddämmerung) stammt von den Shetland-Inseln ganz im Norden Schottlands. Karin Ericsson Back vom schwedischen Vokaltrio „Irmelin“ hat die traditionelle Melodie mit einem englischen und shetländischen Text versehen. Die auf den Shetland-Inseln traditionell gesprochene Sprache ist eine Mischung aus schottischen Dialekten und der inzwischen ausgestorbenen nordgermanischen Sprache „Norn“.


Liebling, jetzt geht der Tag zu Ende
Der Abend kommt und der Schlaf auch
Die kleinen Vögel fliegen zurück zu ihren Nestern
Sie finden ihre Mütter, genau wie du
All die Blumen auf der Wiese
Schlafen ein bis zum Morgengrauen
Schließe deine Augen und lass die Schatten
Wiegen dich in den Schlaf und wärmen dich

Du wirst die guten Dinge hören und lernen
Jeder Tag wird dein Reichtum sein
Ich werde versuchen, meine Flügel auszubreiten und
Dir Kraft und Gesundheit zu geben
Alle Blumen auf der Wiese
Schlafen ein bis zum Morgengrauen
Schließe deine Augen und lass die Schatten
Wiegen dich in den Schlaf und wärmen dich








Vidder


Das Stück "Vidder" (Hochebenen) kommt ganz ohne Worte aus. Die Melodie stammt aus der Feder des Norwegers Stein Austrud und ist der norwegischen Berglandschaft gewidmet. Wir singen die mehrstimmige Interpretation des norwegischen Vokalensembles PUST.






Gammelkäring


Im norwegischen Lied "Altes Weib" wird über eine alte Wollspinnerin gelästert. Das schwedische Vokaltrio Irmelin hat das Lied (in der Version von Hanne Kjersti Yndestad) humorvoll arrangiert und mit ausgedehnten Trall-Passagen versehen. Unter "Trall" versteht man das Singen ohne sinntragende Silben.


Hast du ein altes Weib gesehen?
Sie ging auf dem Hofe und kardete Wolle.
Wenn du sie gesehen hast,
so hör nicht auf sie,
denn sie hat die Tasche voll
und erzählt nur Unsinn.








Vänner och Fränder


Beim Lied „Vänner och fränder“ (auf deutsch: „Freunde und Verwandte“) handelt es sich um eine mittelalterliche Ballade aus Schweden. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die vorteilhaft verheiratet werden soll und sich am Ende gegen ihr Schicksal auflehnt und mit ihrem geliebten Roland die Flucht ergreift.


Freunde und Verwandte trafen sich zu beraten,
Wie sie ihre Cousine dieses Jahr verheiraten wollen,
Blühende Jugend, trafen sich zu beraten,
Wie sie ihre Cousine dieses Jahr verheiraten wollen.

Dir werden wir einen Königssohn zum Mann geben,
Der mehr Gold hat als der kleine Roland Land hat,
Blühende Jugend, einen Königssohn zum Mann,
Der mehr Gold hat als der kleine Roland Land hat.

Am Samstag und Sonntag ging die Botschaft raus,
Am Montag und Dienstag sollte sich zeigen, welche Angebote sie bekam,
Draussen in den Rosen, ging die Ausschreibung raus,
Am Montag und Dienstag sollte sich zeigen, welche Angebote sie bekam.

Am Mittwoch und Donnerstag ward der Wein gemischt,
Am Freitag und Samstag wurde auf den Ehrentag angestossen,
Blühende Jugend, ward der Wein gemischt,
Am Freitag und Samstag wurde auf den Ehrentag angestossen,

Sie tranken tagelang, sie tranken an drei,
Aber die Braut wollte nicht zu den Betten hinübersehen,
Blühende Jugend, sie tranken an drei,
Aber die Braut wollte nicht zu den Betten hinübersehen.

Da kam ein verarmter Hilfsmatrose zur Tür herein,
Er war ganz in blau gekleidet,
Blühende Jugend, ein verarmter Hilfsmatrose
Er war ganz in blau gekleidet.


Er kam an den Tisch und sprach,
Ich sehe, dass die Segel gesetzt werden,
Blühende Jugend, und sprach,
Ich sehe dass die Segel gesetzt werden

Und die Jungfrau ging zum Speicher,
Und rannte den Weg hinunter zum Meer,
Blühende Jugend, sie ging zum Speicher,
Und rannte den Weg hinunter zum Meer.

Sie sprang auf die Felsen und sie lief auf Zehenspitzen,
Und gab wohl acht auf die Wellen unter ihr,
Blühende Jugend, lief auf den Zehenspitzen,
Und gab wohl acht auf die Wellen unter ihr.

Und sie ward an Bord des Schiffes empfangen,
Mit Met und Wein bewirtet,
Blühende Jugend, an Bord des Schiffes,
Mit Met und Wein bewirtet.

Ich sehe an deinen zarten weissen Fingern,
dass der Ehering erst seit gestern dort sitzt,
Blühende Jugend, an deinen zarten weissen Fingern,
dass der Ehering erst seit gestern dort sitzt.


Ich sehe an deinem goldenen Haar,
dass der Brautkranz erst seit gestern darauf weilt,
Blühende Jugend, an deinem goldenen Haar
dass der Brautkranz erst seit gestern darauf weilt.

Ich sehe an deinen schneeweissen Brüsten,
dass du noch keine kleinen Kinder getröstet hast,
Blühende Jugend, an deinen schneeweissen Brüsten,
dass du noch keine kleinen Kinder getröstet hast.

Und die Jungfrau legte sich an des armen Rolands Seite,
Sie fühlte keine Sorgen und keine Angst,
Blühende Jugend, an des armen Rolands Seite,
Sie fühlt keine Sorgen und keine Angst.








I denna ljuva sommartid


"In dieser lieblichen Sommerzeit" ... mit diesen Worten beginnt die wohl innigste Lobpreisung der Natur, welche die schwedische Volksmusik zu bieten hat. Das Lied ähnelt einem Gebet und endet mit den Worten "Fürs Leben danke ich dir". Die Musik stammt aus der Feder von Sophie Livebrant, der Text vom gleichnamigen, im Jahre 1653 geschriebenen Hochsommer-Psalm. Wir singen das Lied im Arrangement
 von Eva Lestander, Sängerin des Vokalensembles "Kraja".


In dieser lieblichen Sommerszeit
geh hinaus meine Seele und erfreue dich
der Gaben des grossen Gottes.
Seh, in welchem Schmucke die Erde steht,
seh, wie sie für dich und mich
so wunderbare Gaben bekommt.

Ach, ist es bereits hier so schön,
ist es so herrlich und so grün
auf dieser unbedeutenden Erde.
Was soll es dann dort nicht geben
in der Herrlichkeit, wenn ich einst
verklärt sein werde.

Wenn ich der Drossel klaren Gesang höre
und die Lerche den ganzen Tag über jubiliert
hoch über den Feldern und Hügeln,
dann kann ich nicht stille schweigen,
mein Gott, so lange ich lebe,
fürs Leben danke ich dir.








Enkelit


Das von der finnischen Musikerin Tellu Turkka komponierte Werk „Enkelit“ – auf Deutsch: Engel – handelt von einer Frau, die ihr Kind verliert. Das Werk führt die Zuhörenden tief in die Welt der Trauer hinein und wieder zurück. Es endet mit ruhigen und konsonanten Akkorden, welche die Akzeptanz der Tragödie und die Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod widerspiegelt. Die 7-teilige Komposition basiert auf Volksliedern und dem Kalevala-Epos. Wir singen Teil zwei, drei und sieben.

1

Vor langer Zeit hatte eine Frau namens Aino
ein Haus und einen Mann,
bald schon hatte sie ein süsses Geheimnis,
innig gehegt, ein süsses Geheimnis,
Zwillinge, die sie damals erwartete.
Ein Mond verging und dann noch einer,
aus Sommer wurde frostiger Herbst,
der Tod rückte aus den Sümpfen und Mooren heran,
kroch über die Felder und Brachäcker.


2

Ein Mond verging und dann noch einer,
bald schon eines ganzen Jahres Ausmass erlangend,
verrichtete Aino ihren täglichen Haushalt
für ihr Haus und für ihren Mann.
Eines Tages schreckte sie von ihrer Arbeit hoch,
hörte Stimmen von unterhalb der Dielen,
weinende Stimmen, traurig und verlassen,
wehklagend vor Verzweiflung und Schmerz.
Still stehend hörte sie erneut:
Da waren winzige Stimmen am Weinen.
„Was ist dieses Weinen unter den Dielen,
hab ich je schon eine solche Traurigkeit gehört,
hat je schon ein so elender Schmerz
mein Herz und meine Gefühle berührt?“


3

Die weinenden Stimmen im Ohr,
weinend vom Keller empor,
zündete Aino eine Kerze an und
wappnete sich, der Dunkelheit entgegen zu treten.

Das Schlimmste an Vorstellungen fürchtend,
wild zitternd und bebend,
riss sie die Bodenluke weit auf,
sah die Leiter, die nach unten führte.

Da waren Ratten und da waren Spinnen,
Dunkelheit ragte faulig und angsterfüllt auf,
als sie sich auf der Leiter vorwagte,
einen Schritt nach dem anderen tat.

Dunkel und kalt, auf dem Boden wimmelte es,
wimmelte es von Schlangen und Maden.
Sich ein Herzen fassend tat sie einen weiteren Schritt,
machte einen Schritt und dann den nächsten.


4

Noch nie hatte sie solchen Schrecken gefühlt,
gespürt, wie ihr Blut stockte und gefror,
noch nie solch grauenhafte Gräuel gesehen.


5

„Reiss dich zusammen und finde deinen Mut,
spür den Boden und finde einen festen Stand,
halt den Kopf aufrecht, bekämpf deine Monster,
stähl dich, um diesen Gräueln ins Gesicht zu schauen.
Komm, meine Schöne, komm und schau dir das an,
weich nie zurück vom dem, was du siehst –
all diese Dinge sind deine eigenen Alpträume,
deine eigenen Ängste und deine eigenen Schreckgestalten;
ausschliesslich in deinem Kopf Form annehmend,
ist nichts davon Wirklichkeit.
Schau, meine Schöne, schau genauer hin,
weich nie zurück von dem, was du siehst;
wenn du dich nicht traust zu bleiben und hinzuschauen,
werden deine Schrecken kein Ende haben“.


6

Blass vor Angst und Schrecken
zwang sich Aino hinzuschauen;
die Zeit verstrich, die Schrecken vergingen,
alles, was übrig blieb, war Stille.
Sich tief bückend begann sie zu suchen,
scharrte in der Erde, um zu finden, was versteckt lag,
wühlte in der Erde, dann gar tiefer,
grub durch Dreck und Staub und Asche,
bis sie einen Umriss spürte,
bis sie einen winzigen Sarg fand:
Im Sarg lagen ihre Kinder,
versteckt im dunkelsten Keller
hob Aino sie hoch und hielt sie fest,
drückte sie an sich und berührte ihre Gesichter,
wusch sie mit den Tränen ihrer Sehnsucht,
mit allen Tränen, die sie vergossen hatte.
Dann trug sie ihre beiden Kinder
hinaus ins Sonnenlicht, hinaus in den Sommer.

Dort verwandelten sich ihre Seelen in Sperlinge,
breiteten ihre Flügel aus und stiegen zu den Himmeln empor,
beide Vögel stiegen zu den Himmeln empor,
einer kehrte zurück, um für Aino zu singen,
mit Worten der Liebe und Güte zu singen,
um der Mutter Traurigkeit singend zu lindern.


7

„Weine nicht mehr, vergiess keine Tränen mehr,
liebste Mutter, alles ist jetzt gut.
Sieh, wie deine Kinder zum Himmel hoch fliegen,
sieh, wie wir im goldenen Sonnenlicht segeln,
an den Wolken, Sternen und Regenbögen vorbeifliegen,
wo die goldene Sonne ihren Sitz hat,
nahe Gott und seiner ganzen Herrlichkeit,
über dich als Engel wachend,
über all deine Liebsten wachend,
über alle deine Tagesanbrüche,
all deine Sonnenuntergänge.“










Emoni ennen


Das Lied handelt von den Ratschlägen, welche die Mutter ihrer Tochter mit auf den Weg gibt. Der traditionelle Text wurde von Sari Kaasinen – Sängerin der finnischen Band „Värttinä“ – vertont. Ursprünglich als Ventil für Mädchen gegründet, um traditionelle karelische Lieder zu singen, hat sich Värttinä in den letzten zwanzig Jahren zu einer der treibenden Kräfte in der nordischen Volksmusik entwickelt.


So sang sie, so sang meine Mutter,
so sang sie in den alten Tagen, so sang sie einst.
Sing, Mädel, solange du ein Kind bist,
sing weil du noch ein Kind bist.
Schaukle sachte, sachte schaukle,
schaukle und singe, schaukle und singe.

Behütet zu Hause unter deinen Leuten
auf des Vaters Land und Farm.
Bald wird es Zeit, einen Ehemann zu finden,
des Ehemannes Haus und Heim zu betreten.
Behütet zu Hause unter deinen Leuten
auf des Vaters Land und Farm,
bald schon das Haus des Ehemannes betretend.

Sing, Mädel, solange du ein Kind bist
mit keinem Kummer in dieser Welt.
Spar dir all deine Sorgen für später auf
im Haus und Heim deines Ehemannes.

Stimm mit mir ein und singe für mich,
denn ich bin müde und voller Überdruss.
Und diese Burschen verdienen kein Lied.
So sang meine Mutter ...

Sorge dich nicht um den kommenden Tag,
lass deine Sorgen und Leiden beiseite,
vergnüge dich, solange du ein zartes Mädchen bist,
halte dich nicht mit dem morgigen Tage auf,
lass deine Sorgen und Leiden beiseite,
vergnüge dich, geniesse deine Jugend.
Sing, Mädel, solange du ein Kind bist.
Stimm mit mir ein und singe für mich.
So sang meine Mutter.







Syyllinnen syli


Auch dieses Lied stammt aus der Feder der finnischen Sängerin Mari Kaasinen. Der Titel lässt sich als „Treulose Arme / Umarmung“ übersetzen.


Wer hat mir davon erzählt - es hätte eine Lüge sein müssen -
der mir diese Wut, diese Qualen brachte,
der mir zeigte, dass der Mann wertlos war,
dass alle seine Versprechen leer waren?
Und ich werde keine treulosen Arme,
keine treulosen Arme in meine Nähe lassen.
Ich lasse keine treulosen Arme,
keine treulosen Arme mich umarmen.

Du hast dein Gelübde gebrochen - elender Mann -
du hast deine Ehre verloren, deine ach so berühmte Ehre.
Du hast dich von einem anderen verführen lassen,
du bist einem falschen Duft gefolgt, einer falschen Fährte.
Und ich werde keine treulosen Arme zulassen.
Nun, hier ist der Weg für dich
und du kannst ihn nehmen.
Du hast getan, was du getan hast. Ach ja -
und so wird es enden.


Sonntag, 24. März 2024

Les Vagabondes: Grüsse aus Osteuropa

Am 8. und 9. Juni 2024 nimmt euch das Vokalensemble "Les Vagabondes" mit auf eine Reise von Vilnius nach Kyiv. Wir singen feurige und sehnsuchtsvolle Lieder aus Belarus, Bulgarien, Litauen, Polen, Rumänien, Tschechien, Ukraine und Ungarn. Wir freuen uns auf euch!